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römische Keramik
im Model geformt

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formgetöpferte römische Keramik - Reliefkeramik

Um in eine Form zu töpfern sind einige Vorarbeiten nötig. Die Matrizen (negative Form) werden entweder von Patrizen (positive Urform) abgeformt oder als frisch getöpferte Schalen mit Hilfe von Punzen in die gewünschte Form gebracht. Letztere Technik ist oft an den nicht immer präzise gesetzten Ornamenten identifizierbar.
Die Qualität formgetöpferter Reliefkeramik wurde maßgeblich geprägt von der Oberfläche der Formschalen. Jene verzierte man in lederhartem Zustand mit Stempel, den sogen. Punzen. Die Qualität der Punzen war dabei ebenso wichtig wie ein gutes Auge und eine ruhige Hand des Keramikers. Ein ausreichend großes und vielseitiges Sortiment an Punzen war Grundlage jeder einschlägigen Töpferwerkstatt. Diese wertvollen Stempel wurden beim Standortwechsel mitgenommen und meist erst dann ersetzt, wenn eine Beschädigung dies erzwang.
Die Technik, aufwändige Gefäße in Form zu töpfern, haben die innovativen Keramiker Athens schon im 5.Jh.v.Chr. zur Blüte entwickelt und sich auch nicht davor gescheut, mit mehrteiligen Model zu arbeiten. Appliken und kleinformatige Figuren waren formgetöpfert sehr viel rationeller herzustellen als einzeln frei modelliert. Die hellenistische Phase ist im Bereich der Keramikdekoration vom Niedergang der vorher in Blüte stehenden Vasenmalerei und der diese nun bisweilen ersetzenden Reliefdekoration geprägt.
Die Formtöpferei lieferte das Mittel, scheinbar aufwändige Reliefkeramik in ganzen Serien rationell zu fertigen.
Zu den frühen Serien gehören die mit Relief versehenen Omphalosschalen. Sie reichen bis in die frühe hellenistische Phase zurück und sind mit der calenischen Ware verwandt.
Die größte Verbreitung erlebte diese Technik im 3. und 2. Jh.v.Chr. in Form reliefverzierter tiefer Trinkschalen, den sogenannten Megaraschalen. Es handelt sich um meist sehr fein gearbeitete formgetöpferte Ware. Wie diverse Funde von Formschüsseln zeigen, gab es viele Produktionsstätten.
Die berühmtesten Stücke italischer Fertigung sind die mit feinesten Reliefs verzierten Kelchformen Consp.R2. Die Flächenaufteilung der Reliefzone ist meist relativ frei gestaltet, es überwiegen jedoch 4er und 6er Teilungen. Die Sujets können als typisch augustus-zeitlich bezeichnet werden.
La Graufesenque war wichtigstes Zentrum in Südgallien. Protosigillata wird dort ab 20 vor Chr. erzeugt, Sigillata nach italischem Vorbild ab 10 vor Chr. In den 20er und 30er Jahren expandiert der Vertrieb und beliefert den gesamten Nordwesten des römischen Imperiums. In den 60er Jahren kommt es zu einem Gesamtumbau der Produktionsstätten mit anschließendem Qualitätsverlust. Zwischen 100 und 120 n.Chr. bricht der Export zusammen. Die Ursachen sind in der schlechten geographischen Anbindung an die wichtigen Märkte und eventuellem Holzmangel zu suchen.
Lezoux war das wichtigste Zentrum für die Produktion roten Glanztons in Zentralgallien. Bereits im frühen 1.Jh. wurden bescheidene Mengen vor allem roten Glanztons hergestellt. Die Fertigung wurde immer mehr ausgeweitet und verdrängte ab 100 n.Chr. die südgallische Ware von den meisten Märkten. Das ganze 2.Jh. stand unter dem Primat der Töpfer von Lezoux. Roter Glanzton als formgetöpferte sowie glatte Waren erreichten Rhein- und Donaufront, Britannien, Hispanien und Italien. Um 200 n.Chr. kam es zum Niedergang.
Das römische Tabernae (heute Rheinzabern) entwickelte sich ab 140 n.Chr. zum führenden Keramikzentrum nördlich der Alpen. Hervorragende Tonerde, reiche Vorräte an Holz und Wasser und eine sehr günstige Verkehrssituation am Rheinufer waren die Standortvorteile. Hunderte Töpferbetriebe fertigten im Lauf der Zeit geschätzte 50 Millionen Teile. Die Produktion ging ab 260 n.Chr. zurück und endete ca. 350 n.Chr. Der im 2. Jh. erfolgreiche Vertrieb an die Donaufront wurde durch den neuen Grenzverlauf ab ca. 260 n.Chr. erschwert. Dies hatte das Aufkommen neuer Fertigungsstätten wie Westerndorf und Pfaffenhofen zur Folge.