Wenn sich römische Aristokraten zu einem Gastmahl zusammenfanden, so war jenes durchaus bestimmten Regeln unterworfen. Entgegen verbreiteter Ansicht wurde aristokratische Geselligkeit nicht ihrer selbst willen gepflegt, sondern hatte soziale und politische Ziele. Es ging also nicht um individuelles Vergnügen und keineswegs um private Leidenschaften und Steckenpferde. Ein strenger Normenkanon war für alle Beteiligten, Gastgeber und Gäste verpflichtend. Die Toleranz war hierbei gering.

So ist davon auszugehen, dass die Veranstaltung eines Banketts nicht stressfrei abging. Der Gastgeber spürte den Erwartungsdruck der aristokratischen Gäste, die eine standesgemäße Bewirtung voraussetzten. Doch auch die Eingeladenen waren an Konventionen gebunden und hatten wenig Freiheiten. Die aristokratische Gesellschaft achtete auf regelkonformes Verhalten. Dieses beschränkte sich nicht nur auf öffentliche Plätze wie Forum, Gericht, etc. sondern ebenso auf die Privathäuser. Haushaltsführung und Benimm unterlagen der sozialen Kontrolle aller Standeskollegen

Gegen Normen zu verstoßen war nicht zu empfehlen. Politische Gegner nutzten Verstöße gegen ständische Konventionen z.B. vor Gericht für ehrabschneidende Kommentare. Bei schweren Verstößen gegen den aristokratischen Komment konnte der Zensor sogar den Ausschluss aus dem Senat verfügen. Stets drohten Ehrverlust und gesellschaftliche Isolierung durch die übrige Aristokratie.

Originaltexte sind von diesem Blickwinkel aus zu interpretieren. So ist die bekannte cena Trimalchionis keineswegs die Beschreibung eines vorbildlichen Gastmahls, sondern ganz im Gegenteil aristokratischer Spott. Hier wird ein reich gewordener Freigelassener karikiert, welcher zwar gerne zur "feinen Gesellschaft" gehören würde, aber von einer Tölpelei in die andere stolpert. So erfahren wir zumindest, wie man es nicht hat machen sollen und können vermuten, wie die jeweils korrekte Variante ausgesehen hat.










Der betriebene Aufwand konnte je nach Interpretation als Verschwendung (Luxuria) abgelehnt, oder als festliche Ausgabe (inpensa sollemnis) verteidigt werden.
Die Diskussion, welcher Aufwand standesgemäß, welcher abzulehnen sei, klingt durch die späte Republik bis in die Kaiserzeit. So gab es spätestens mit der lex Orchia sumptuaria 182 v.Chr. ein erstes Gesetz, das die Teilnehmerzahl begrenzte. In schneller Folge wurden in dieser Angelegenheit weitere Gesetze beschlossen - und kaum durchgesetzt. Angeblich hätten sich nur ein paar Traditionalisten daran gehalten. Die Mehrheit umging die Vorschriften oder ignorierte sie gar. Interessant ist überhaupt, wie sich immer wieder Mehrheiten im Senat für derartige Gesetze fanden. Das Ende vom Lied, der Offenbarungseid, kam dann mit dem Bescheid des Kaisers Tiberius im Jahr 22, mit dem er es offiziell aufgab, den Aufwand bei Gastmählern zu beschränken, " ... weil die Bestimmungen ohnehin nicht durchgesetzt würden".

Waren im Jahr 161 v.Chr. noch 300 HS für ein Festmahl die Obergrenze, gingen Einladungen an den Kaiser im 1.Jh. schon an die 400.000 Sesterzen. Die sparsamsten Männer hätten nach Sueton dieserzeit 1 Million Sesterzen beim Fest der Amtseinführung ausgegeben.

Über das wohlhabende Bürgertum wurde weniger geschrieben. Überall im Reich besitzen die Häuser aber, je nach Größe und Vermögen, betont aufwändige Speiseräume. Das convivium hatte eine Bedeutung, die unsere Fast-Food-Gesellschaft kaum mehr versteht.
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